Interview presented by swissproptech
«Die Daten werden in Zukunft mehr Wert haben als die Gebäude selber»
7 Fragen an
SwissPropTech:
Die Schweizerische Post hat seit drei Jahren in ihrem Immobilienbereich ein Innovationsteam. Wie sieht die Erfolgsbilanz bis anhin aus?
Kaspar:
Wir haben in der Zwischenzeit zwei erprobte und skalierbare Produkte für die Immobilienbranche erfunden: IntelliClean und Service on Demand. Mit Letzterem haben wir 2017 Preise bei den Schweizer Real Estate Awards und beim deutschen Wettbewerb «FM Innovation des Jahres» gewonnen. Darüber hinaus haben wir uns den Ruf als Ansprechpartner für neue Ideen erworben. Hier lautet das Stichwort «Rapid Prototyping». Aus unserer Arbeit resultiert natürlich auch bereits eine gewisse Anzahl abgebrochener Piloten. Doch auch Misserfolge sind letztlich Erfolge, weil man daraus lernt.
SwissPropTech:
Wie ist es zu der Post-Innovation IntelliClean gekommen und was ist der Stand heute?
Kaspar:
IntelliClean ist aus einem Ideenworkshop im Innovationsteam entstanden. Dann durchlief es den Innovationsprozess mit «Insight Camps» und «Lean Incubation», unsere Innovationsformate. Heute ist das Produkt bei der Post und im Markt eingeführt und wir haben einen Businessplan mit einer europaweiten Skalierung. Hier gilt es, neu zu fokussieren: Ein Team von vier Personen arbeitet nun ausschliesslich an und für IntelliClean und auch ich werde mich im 2019 voll auf dieses Produkt konzentrieren. Unsere jüngst angekündigte Partnerschaft mit Vebego ist hier ein ganz wichtiger Meilenstein.
SwissPropTech:
Was sind die Vor- und Nachteile in einem grossen öffentlichen Corporate wie der Schweizerischen Post für Innovationen im Immobilienbusiness?
Kaspar:
Klare Vorteile sehe ich in den Innovationsformaten, die wir entwickeln konnten, und in den weiteren Dienstleistungen der Konzerninnovation wie etwa dem Startup Screening oder auch Scouting Trips. Wichtige und nützliche Faktoren sind zudem der Bekanntheitsgrad der Post und die finanziellen Ressourcen. Daneben ergeben sich häufig Synergien mit anderen Konzernbereichen, wie zum Beispiel die Tourenoptimierung aus der Logistik. Und die Nachteile? Konzernstrukturen sind nicht für Innovation geschaffen, sie sind meist zu träge. Deshalb ist es wichtig, dass Corporates Prozesse mit reduzierter Governance schaffen, welche es erlauben, schnell neue Ideen zu testen und zu skalieren. Bei der Post als öffentlichem Unter­nehmen gelten zudem spezielle Spielregeln, wie etwa bei der Beschaffung.
SwissPropTech:
Welches zeitliche und finanzielle Budget steht Euch bei Swiss Post Innovation zur Verfügung?
Kaspar:
Wir haben für alle Piloten ein klar definiertes Budget und eine Zeitbeschränkung: sechs Monate. Geht es dann weiter, gibt es ein Innovationsprojekt mit Geschäftsmodell, den «Canvas», und einer Wirtschaftlichkeitsrechnung. Basierend auf den finanziellen Erwartungen haben wir dann in der Umsetzung auch ganz klare Abbruchkriterien. Dies ist enorm wichtig. Diese fehlenden Abbruch­kriterien sowie der fehlende Fokus sind heute meines Erachtens die grössten Mängel in der Corporate Innovation.
SwissPropTech:
Wie siehst Du Kooperationen zwischen Gross und Klein beim Thema Innovationen im PropTech-Bereich?
Kaspar:
Ohne Kollaboration keine Innovation. Die Zusammenarbeit mit Startups ist ein wichtiger Erfolgs­faktor. Warum? Hier bietet sich uns ein direkter Zugang zu neuen Ideen und Geschäftsmodellen. Wichtig sind auch die Geschwindigkeit im Prototyping und Einflussmöglichkeiten auf die Produktentwicklung. Wir haben im Innovationsmanagement von Post Immobilien von Anfang an stark auf «Open Innovation» fokussiert, auch in Zusammenarbeit mit unserer konzernübergreifen­den Innovationsabteilung. Und wir beteiligen uns verstärkt auch finanziell an Newcomern: Seit über zwei Jahren hat die Post ja auch ein Corporate Venturing für strategische Beteiligungen an Jungunternehmen.
SwissPropTech:
Die Post war eine der Vorreiterinnen und engagierte sich von Beginn an im Schweizer Innovationsnetzwerk SwissPropTech. Warum?
Kaspar:
Die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Startups war von Anfang an im Fokus bei uns. Aufgrund des Open Innovation Ansatzes haben wir natürlich Augen und Ohren weit offen. An einem Event haben wir dann Mario [Facchinetti; Anm. d. Red.] kennengelernt und so hat das eine das andere ergeben. SwissPropTech war und ist für uns als Corporate ein sehr effizienter Weg, einen Überblick in der Schweizer PropTech-Szene zu haben. Hier haben wir Zugang zu neuen Ideen, einen regen Austausch mit Startups, und wir können auf ein Netzwerk von Exponenten in der PropTech-Branche zugreifen, in der Schweiz und europaweit. Und so tragen wir auch zu einer guten Positionierung der Schweizerischen Post in diesem Bereich bei.
SwissPropTech:
Wie wird Deiner Meinung nach die Immobilienbranche der Zukunft aussehen?
Kaspar:
Unsere Überlegungen über die Zukunft sind meist auf die kommenden fünf Jahre ausgelegt und wie sich in diesem Zeitraum Veränderungen umsetzen lassen. Wie auch immer der Zeithorizont ausschaut: Die Automatisierung wird dank der Nutzung von Daten und mobilen Endgeräten weiter fortschreiten. Bei der Digitalisierung sind wir in der Immobilienwirtschaft ja noch Jahre hinter anderen Branchen. Doch entsprechend riesig ist das Potenzial. Gerade die Daten werden in Zukunft mehr Wert haben als die Gebäude selber. Und das grösste Wertschöpfungspotenzial liegt dabei in unseren Augen definitiv in der Bewirtschaftung und dem Betrieb von Immobilien.

Interviewed by Mathias Rinka
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