SwissPropTech Interview
Together with BETTERHOMES
Interview Partners
Cyrill Lanz
Founder and CEO
BETTERHOMES
Mathias Rinka
Media Director
SwissPropTech
Lars Sommerer
Managing Director
SwissPropTech
Interview
Cyrill Lanz ist seit Jahresbeginn 2022 mit seinem Unternehmen BETTERHOMES neu Mitglied im Schweizer Innovationsnetzwerk SwissPropTech. Was hat zu diesem Schritt geführt?
BETTERHOMES ist bereits seit Gründung im Jahre 2005 mit einem hybriden Geschäftsmodell aus Technologie und Vertrieb am Markt tätig. Technologisch gestartet sind wir praktisch mit den Anfängen von Web 2.0, denn seit Tag 1 entwickeln und betreiben wir ein von unserer IT selbst erschaffenes und webbasiertes ERP, unser sogenanntes „Betternet". Primäres Ziel war es, den gesamten Geschäftsprozess als Immobilienmakler, also von der Akquise bis zur Vermittlung, möglichst digital abzubilden, um den Vertrieb sowie die Kunden bestmöglich und effizient im Alltag zu unterstützen. Zu unseren „Startup-Zeiten" vor 16 Jahren existierte weder der Begriff „Proptech" oder ein entsprechendes Netzwerk, noch gab es zu diesem Zeitpunkt andere Maklerunternehmen, die ähnlich digital wie wir unterwegs waren. Eine aufregende Zeit, und ich durfte von Beginn an auf eine grosse Unterstützung der damaligen Chefs von Immobilienplattformen und auch das Bewertungsunternehmen IAZI zählen, welche stets an unseren Erfolg glaubten. Wir sind seit dem ersten Geschäftsjahr hochprofitabel, hatten noch nie einen Kredit oder eine Finanzierungsrunde und konnten in den letzten 16 Jahren unser gesamtes organisches Wachstum in der DACH-Region komplett aus eigener Kraft finanzieren. Insofern gab es für uns als eigentlichen – und etablierten – Vorreiter mit dem hybriden Maklermodell zwischen Technologie und Vertrieb keinerlei Notwendigkeit, uns gegen aussen entsprechend zu vermarkten. Im Zuge unserer weiteren Expansionsstrategie in Europa wollen wir als Schweizer Unternehmen unser Know-how in das Innovationsnetzwerk von SwissPropTech einbringen und natürlich auch von der Erfahrung anderer internationaler Unternehmen profitieren und gleichzeitig den Technologiestandort Schweiz voranbringen.

Sie haben BETTERHOMES im Jahr 2005 gegründet. Was hat sich seither im Maklergeschäft alles verändert – vor allem auch mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung?
Zu Beginn ging es vor allem darum, zusammen mit den Plattformen Reichweite für die Immobilienangebote zu generieren, Immobilienbewertungen digital zugänglich zu machen sowie erste Geschäftsprozesse wie die Verwaltung der Objekte, Kunden und Interessenten mit unserem „Betternet" zu digitalisieren. Später kam die Implementierung des Netzwerks hinzu, was uns bis heute einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschafft. Mit Ausbruch der Pandemie entwickelten wir eigenständige und plattformunabhängige Online-Besichtigungen und im vergangenen Jahr werteten wir unsere Maklerdienstleistung mit der Einführung einer Immobilien-Zustandsanalyse von immoledo auf.

Technologie alleine ist meiner Meinung nach bei einem Maklerunternehmen in der realen Welt stets nur die halbe Miete: Die Mäkelei ist und bleibt ein People Business, die Technologie und das Web 2.0 sind für uns unterstützend, jedoch nicht disruptiv.

Spannend wird für uns das Potenzial, welches das künftige Web 3.0 mit Metaverse, NFT's etc. mit einer komplett digitalen Welt mit sich bringen wird: Welche Chancen sich daraus für die Maklelei von digitalen Immobilien in einer neuen Welt ergeben werden – ganz ohne die heutige Dominanz von Plattformen wie im Web 2.0 – ist natürlich noch völlig offen. Eines steht jedoch fest: Auch die digitale Welt wollen wir erobern.

Netzwerke nutzen und Kooperationen eingehen sind wichtige Faktoren für das Maklerbusiness. Welche Innovationen und Ideen erwarten oder erhoffen Sie sich von der PropTech-Szene in naher Zukunft?
Wir sind offen und neugierig für sämtliche Technologien, welche den Geschäftsprozess als Immobilienmakler effizienter und effektiver gestalten und sich schlussendlich im Markt durchsetzen werden.

BETTERHOMES will noch im ersten Halbjahr 2022 eine neue Technologie-Plattform für die Makler- und Kundensoftware einführen. Was steckt genau dahinter?
Aufgrund des organischen Wachstums in den vergangenen 16 Jahren wurde unser „Betternet" ständig unter Hochdruck weiterentwickelt. Allerdings waren wir von unserem eigenen internationalen Erfolg positiv überrascht und technologisch darauf zu wenig vorbereit. Entsprechend haben wir heute einen „Spaghetti-Code", welcher so nicht skalierbar für die weitere Expansion in Europa ist. Daher starteten wir vor zwei Jahren ein grosses Projekt für ein komplett neues „Betternet 3.0", welches von Grund auf neu geschrieben wurde und darauf ausgelegt ist, rasch und unkompliziert auf neue Länder und Märkte adaptiert zu werden. Damit verbunden sind auch neue Länderwebseiten sowie ein komplett neues LMS (Learning Management-System) für die Schulung unseres Vertriebs. Diese neue Technologie-Plattform als Trilogie steht kurz vor Abschluss und ermöglicht uns im Jahre 2022 den Startschuss zur weiteren Europa-Expansion.

Die DACH-Region ist bei BETTERHOMES klar im Fokus. Wie gestaltet sich das Geschäft aktuell im Heimatmarkt Schweiz sowie in den beiden Märkten Deutschland und in Österreich?
Sämtliche drei Ländergesellschaften in der Schweiz, Deutschland sowie in Österreich werden als eigene Tochtergesellschaften betrieben, und hier verdienen wir unser Geld. Entsprechend wichtig wird für uns die DACH-Region auch stets bleiben – erst recht natürlich die Schweiz!

Die weitere Expansion in Europa gleisen Sie ja auch gerade auf. Welche Ziele haben Sie sich dabei gesteckt?
Wir verfolgen das ambitiöse und ehrgeizige Ziel, dass wir in den nächsten acht Jahren 30 Länder in Europa erschliessen wollen. Die hauptsächliche Herausforderung sehe ich dabei nicht unbedingt in der Technologie, sondern beim organischen Wachstum im Vertrieb sowie den damit verbundenen kulturellen Unterschieden in den entsprechenden Ländern. Wir sind gespannt, wie weit wir in den kommenden acht Jahren sein werden. Langweilig wird es bestimmt nicht!

Wir freuen uns sehr darauf, vom Wissen anderer SwissPropTech-Mitglieder zu profitieren, etwas zum Technologie-Standort Schweiz beitragen zu dürfen und sind gespannt auf viele spannende Gespräche!